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  • Started 10 years ago by jin

  1. jin
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    Ein Pariser in Peking Teil 2

    Chinas drei Weltstädte aus der französischen (Frosch )Perspektive

    Am Ende des ersten Teils dieses Beitrags, die geneigte Leserin, der geneigte Leser mögen sich noch erinnern, sitzen meine Schwester und ich im Flugzeug, neben uns ein Pekinger, der eine Papiertüte methodisch mit seinem Speichel füllt, und schicken uns an, der Hölle von Chinas Hauptstadt zu entfliehen (beziehungsweise zu entfliegen). Zielort: Schanghai. Die erste Begegnung mit einem dortigen Einheimischen wirkt sogleich wie eine Erlösung. Der Taxifahrer sagt Ni hao! und nicht, wie seine Pekinger Kollegen, Hgroarrr! oder [Rülps]. Er starrt nicht ratlos oder ostentativ angewidert auf den Zettel mit der Adresse des Hotels. Er dreht den Wisch nicht in alle Richtungen und versucht, tief seufzend, die chinesischen Schriftzeichen zu entziffern. Er wirft uns auch nicht kurzerhand wieder aus dem Wagen, wie in Peking etliche Male geschehen. Vielmehr sagt er, nach einem kurzen Blick auf die Adresse, Okay und fährt uns dann auf dem direktesten Weg ans angegebene Ziel was für ein Ziel! Unsere Unterkunft in der Hauptstadt gab sich als ein Boutique Hotel aus, das moderne Prägnanz und traditionelle chinesische Elemente kombiniert. Konkret jedoch holte so manches schiefwinklige Detail die allzu lotrechte Selbstdarstellung zurück auf den Boden der Pekinger Realitäten, vom defekten Billigst Wecker bis zum verglasten Bad, das mitsamt Dusche und Toilette! nur durch einen Vorhang vom Zimmer abgeschirmt werden konnte. Dagegen die auch nach westlichen Massstäben fast totale Perfektion von The PuLi Hotel and Spa in Schanghai! Die Einfahrt durch ein Bambus Spalier und der Eintritt durch eine hohe Halle mit einem ausgesparten, dunkel beruhigenden Dekor bilden eine Art doppelte Durchgangsschleuse, die zu dieser Grossstadt Oase führt:

    Der Flur zu unserem Zimmer im 23. Stock ist schon für sich ein kleines Kunstwerk: Die Wände mit einem dunklen, feinen Rattan Geflecht ausgeschlagen, das unter der Hand wachsig und weich wirkt, in der Luft ein eigens für das Hotel geschaffener Duft nach erdigem Tee und kandierten Zitrusfrüchten Aber als sich dann die Tür unseres Zimmers auftut, raubt es uns den Atem:

    Unser Zimmer ist eine Kategorie unter diesem, doch gab es keine entsprechenden Pressefotos. Der Stil ist genau derselbe. (PD)

    Alles im PuLi ist von einem geschmackvollen, gediegenen und, ja: gemütlichen Minimalismus, der fast übersehen macht, welche Sorgfalt der im australischen Melbourne etablierte deutsche Innenarchitekt Johannes Hartfuss und das ebenfalls dort ansässige Lichtdesigner Team The Flaming Beacon auf die Wahl der originalen oder kopierten altchinesischen Objekte, der warm gedämpften, mit Chiaroscuro Effekten spielenden Beleuchtungen usw. verwendet haben (kleine Schönheitsfehler finden sich immer: Der Boden des Umkleideraums im Bad Komplex ist gefährlich rutschig, der Anrufbeantworter des Zimmer Telefons lässt sich ohne Chinesisch Kenntnisse nicht abhören, zumindest nicht für mich). Abends setzen wir uns während unseres viertägigen Aufenthalts gern auf die Liegebetten der Gartenterrasse, trinken Cocktails, essen einen Fleischkuchen (der in einem hübschen, hölzernen Picknickkorb serviert wird) und starren in den Himmel: halbtransparente, leicht irreale Wolken huschen da wie im Schnellvorlauf über die schwindelerregend hohe Spitze des benachbarten Wolkenkratzers.

    Der Blick von der Gartenterrasse auf die Wasserfläche vor der "Long Bar" (PD)

    Ein PuLitini: Vodka, Kahlua und Kaffee. (PD)

    Am ersten Morgen brechen wir dann mit wiederhergestellten Kräften zur Entdeckung der Stadt auf. Als Pariser erkunden wir als Erstes das Viertel gleich im Süden des PuLi: die ehemalige französische Konzession. Durch den ersten Opiumkrieg war Schanghai 1842 zwangsweise für die Vertreter ausländischer Mächte geöffnet worden. 1863 vereinten Briten und Amerikaner ihre Kräfte, um eine etwa 8 Quadratkilometer grosse Konzession südlich des Huangpu Flusses zu errichten. Die eigenbrötlerischen Franzosen gründeten ihre eigene, etwa halb so grosse Konzession südlich dieses International Settlement. Die Avenue Edouard VII (heute Yan Dong Lu) bildete die Grenze zwischen den beiden Ausländer Siedlungen: Auf der einen Seite betrug die Stromspannung 110 Volt, auf der anderen 220 Volt Buchladen des der klassischen chinesischen Kunst gewidmeten Shanghai Museum der einzigen Kulturinstitution von internationalem Rang in China, so verdienstvoll das Geschichts und das Kunstmuseum in Hongkong auch sein mögen kaufe ich das Buch einer US amerikanischen Ex Diplomatin und eines lokalen Architekturfotografen mit dem Titel Frenchtown Shanghai. Western architecture in Shanghai old French Concession. Ein recht rhapsodisch strukturiertes, aber an Informationen aus erster Hand sowie an historischen Bilddokumenten und Fotos aus jüngerer Zeit reiches Werk.

    In der Einleitung des Bandes findet sich ein Rsum der Geschichte der französischen Konzession. Neben Vertretern der Grande Nation siedelten sich dort auch chinesische Tai Pans an (auf Denglisch würde man sagen: Big [Business] Shots). Diese liessen ihre Villen im westlichen Stil gern an Grenzstrassen wie der Avenue Haig (heute: Hua Shan Lu) erbauen, um mit leicht heuchlerischem Patriotismus sagen zu können, sie wohnten in China, nicht in der Konzession. Ausserdem liessen sich dort russische Juden nieder, die die Pogrome der Jahrhundertwende flohen, Weissrussen, die oft Berufe wie Leibwächter, Reitlehrer oder Animierdame ergriffen, ab 1933 dann auch Juden aus ganz Europa von allen Orten in der Welt war Schanghai anscheinend der einzige ohne Visumspflicht für sie. Im Rahmen der portionsweisen Invasion grosser Teile Chinas durch Japan seit 1931 übernahmen die Truppen des Lands der aufgehende Sonne 1937 die Kontrolle über die einheimisch verwalteten Teile Schanghais. Nach dem berfall auf Pearl Harbour besetzten sie Ende 1941 dann auch das International Settlement die Franzosen ihrerseits galten als Verbündete, so dass ihre Konzession bis zum Kriegsende unversehrt blieb. Japans Kapitulation bedeutete freilich nicht die Rückkehr der guten, alten Zeit: Der chinesische Bürgerkrieg neigte sich dem Ende zu, 1949 marschierte die Volksbefreiungsarmee in die Stadt ein.

    Damit versank Schanghai für lange Jahrzehnte im Horror des real existierenden Kommunismus. Die Genossen wirtschafteten die Stadt gründlich und gezielt herunter, rissen in den 1990er Jahren dann aber mit der Schaffung der Sonderwirtschaftszone Pudong das Steuer um 180 Grad herum. Ob der seitherige Bauboom nicht noch eine grössere Gefahr für die historische Bausubstanz darstellt als die Jahrzehnte der Preisgabe an den Verfall, bleibe dahingestellt. Wurden Bauwerke zwischen 1950 und 1990 bloss umgebaut und damit zugegebenermassen entstellt: systematische Verwandlung von Balkonen und Loggien in zusätzlichen Wohnraum, Vermauern sämtlicher Chemines, Aufstockung zahlreicher Hochhäuser , so werden sie seitdem oft kurzerhand abgerissen, zum Teil in ganzen Strassenzügen. Schlimmstes Beispiel im französischen Quartier ist die ehemalige Avenue Dubail (heute: Chongqing Nan Lu), in der um 1998 Ziegelhäuser mit eleganten Arkaden, Art Dco Appartements und eine halbe Kirche (die andere Hälfte steht noch!) einer Schnellstrasse weichen mussten.

    Allerdings wurde sich die Stadtverwaltung schon in den Jahren vor der Jahrtausendwende bewusst, welchen in China beispiellosen Schatz sie mit dem Abbruch des Bauerbes der Kolonialzeit zu verlieren Gefahr lief. So mehren sich seit dieser Zeit zweisprachige Informationstafeln wie diese, die Passanten auf architektonisch bemerkenswerte Bauten aufmerksam machen:

    Ich weiss nicht, ob es klar definierte denkmalschützerische Auflagen gibt. Und, falls ja, wie diese formuliert sind. Vieles verdankt sich wohl der Privatinitiative. Eine der gelungensten Restaurierungen in der französischen Konzession, jene des ehemaligen Cercle sportif franais, wurde vor gut zwanzig Jahren durch die japanische Okura Hotelgruppe finanziert. Zwar fielen der Umnutzung des einstigen Herrenklubs der im Gegensatz zum britischen auch Frauen und sogar Chinesen aufnahm! das olympische Schwimmbad und der Billardsaal zum Opfer. Aber die Hauptfassade, die Eingangshalle und der ovale Tanzsaal mit seiner Buntglas Decke sehen (fast) wieder so aus wie auf alten Fotos.

    Der Cercle franais ist ein Entwurf von Paul Veysseyre (1896 1963), dem erfolgreichsten Architekten der Konzession. In der Zwischenkriegszeit errichtete Veysseyres Büro dort über hundert der markantesten Gebäude. Viele haben sich mehr oder weniger stark entstellt bis heute erhalten. Es sind keine Meilensteine der Architekturgeschichte, aber doch grossteils sehenswerte, wohlproportionierte und gerade im Vergleich zu den vorzeitig abbruchreifen Buden der Kommunisten dauerhafte Bauwerke. Viele von Veysseyres Hochhäusern huldigen mit ihrem auf vertikalen Streifen beruhenden Art Dco, dessen Strenge hier und da eine Rundung mildert, einem typisch französischen klassischen Modernismus. Die grösste Gefahr für sie stellt heute neben der berbevölkerung aufgrund des Wohnungsmangels beherbergen historische Hochhäuser in Schanghai nicht selten fünfmal (!) mehr Menschen als einst, was eine tiefgreifende Ummodelung der Raumaufteilung nach sich zieht die Bodensenkung dar. So sind bei zweien von Veysseyres Bauten an dem kleinen Park, in dem sich heute das Nie Er Monument befindet, die Eingänge, zu denen einst ein paar Treppenstufen hinaufführten, auf Bodenniveau beziehungsweise sogar einen halben Stock ugg boots classic tall chestnut 70% off unter dieses abgesackt!

    Eines von Veysseyres elegantesten Bauwerken: das "Gascogne" Appartementhaus an der Huaihai Zhong Lu (Deke Erh)

    Neben Hochhäusern im Art Dco Stil finden sich in der ehemaligen Konzession auch Kirchen im englischen, italienischen und sogar russischen Stil (mit Zwiebeltürmen!) und Villen l oder la gothique unter vielem mehr. Das schönste Herrenhaus indes könnte so ziemlich überall in Frankreich stehen: Es wurde im reinsten Louis XIII Stil erbaut! Heute dient es als eine Herberge für KP VIPs um die feisten Bonzen in die oberen Etagen zu hieven, wurde ein hässlicher Aufzug Turm angebaut. Sein einstiger Besitzer, der Comte Maurice Frdric Armand du Pac de Marsoulies, starb 1933 wie zwei andere französische Gäste nach einem Dner bei dem Boss der gefürchteten Grünen Gang an einer ebenso jähen wie unerklärlichen Krankheit. Wie andere hochherrschaftliche Villen wurde auch diese in den 1950er Jahren zum Wohle des Volkes, sprich: hoher Kommunistentiere ganz zuoberst Madame Maos requiriert. Und um deren Sicherheit willen mit einem Luftschutzbunker versehen.

    Die Herrenhäuser im französischen, britischen, spanischen oder sonstwelchen Stil sind erkennbar westliche Importe. Doch gibt es in Schanghai auch einen Haustypus, der eine originelle Mischung (beziehungsweise Verschmelzung) von Ost und West darstellt und der sich ugg boots classic tall chestnut 70% off nur hier findet: das Shikumen Haus. Shikumen heisst so viel wie Steintor: Ein solches bildet das von aussen markanteste Merkmal dieser meist zweistöckigen Ziegelsteinbauten mit einem kleinen Vor und Hinterhof, einem Steildach sowie roten Dachluken. Die Shikumen Reihenhäuser wurden zwischen etwa 1850 und 1949 erbaut; zwischen ihnen mäandert das Labyrinth der schmalen Lilong Gässchen. Meine Schwester und ich besuchen das Shikumen Open House Museum, die stimmungsvolle Rekonstruktion der Unterkunft einer Schanghaier Familie in den 1920er Jahren. Shikumen Häuser waren typischerweise Behausungen für die Mittelklasse, die (fiktive) Familie, die diese 500 Quadratmeter bewohnte, gehörte jedoch augenscheinlich der Oberschicht an wie ein Lippenstift, eine Nähmaschine sowie ein Jazzmusik verströmendes Grammophon bezeugen.

    Die fernen Nachfahren und indirekten (Einkommens )Klassen Genossen dieser wohlsituierten Familie bilden auch das Zielpublikum des in der ehemaligen französischen Konzession gelegenen In Viertels Xintiandi, in dem das Museum liegt. Ein Hongkonger Investor hat hier Shikumen Häuser renoviert und in Restaurants und Boutiquen verwandelt, die mit gefrorenem Joghurt, belgischer Schokolade und Cucina italiana eine junge, hippe und vor allem betuchte Kundschaft anlocken. Gleich ums Eck befindet sich ebenfalls in einem Shikumen Haus die Gründungsstätte der KP Chinas. Deren dreizehn Mitgründer haben seitdem so manchen Grund gehabt, im Grab zu rotieren die bis zur Karikatur verwestlichte und bourgeoise Konsummeile Xintiandi ist da wohl noch der harmloseste. Für uns Westler ist das Einkaufsviertel allenfalls in architektonischer Hinsicht interessant. Und auch da nur, wenn man genau hinschaut und sich vorzugsweise vor dem Erkundungsgang die anschaulichen und auf Englisch übersetzten Erklärungen zum Shikumen Haustypus im Museum zu Gemüte geführt hat.

    Red or dead: Aus Anlass des 90 Jahr Jubiläums der im Juli 1921 gegründeten KP Chinas posieren Einheimische mit der Landesflagge. Hinter ihnen die Gründungsstätte der besagten Partei: ein typisches Shikumen Haus. (Reuters)

    Das eigentlich Reizvolle in Schanghai waren für uns nicht die Shopping Gelegenheiten Hongkong bietet da unvergleichlich mehr. Und auch nicht die Sehenswürdigkeiten obwohl das Shanghai Museum und der Yu Yuan Garten das Erlesenste der altchinesischen Künste aufbieten und die Reise von weither gewiss wert sind. Als reizvoll empfanden wir vielmehr das Flanieren durch an sich gewöhnliche Strassen und Strässchen, denen aber dennoch ein aussergewöhnliches Flair eignet. Gleich im Osten schliesst an Xintiandi die ovalförmige chinesische Altstadt an. Der Yu Yuan Basar um den gleichnamigen Park dort ist ein Rummelplatz und Touristen Nepp. Aber in den Südteil des Viertels verirrt sich kaum je eine Langnase wir spazieren da eine gute Stunde lang als einzige Westler weit und breit durch ein Labyrinth von Gässchen, in denen alte Frauen in Waschtrögen Geschirr spülen, Rentner am offenen Küchenfenster Karten spielen und kleine Mädchen in knielangen Strümpfen über Pfützen hüpfen. Die Sonne stanzt ins dunkelschattige Gassen Gewirr grellweisse Löcher oder leuchtet ganze Häuserreihen hart aus, ein ständiges Wechselbad von Wohlgerüchen und bestialischen Gestänken irritiert die Nase, überall klappert, brabbelt oder schlabbert etwas, das man weder sieht noch richtig verorten kann.

    Auch die Promenade durch die ehemalige französische Konzession ist ein Pläsier. Nach der urbanen Hölle von Peking wirkt es wie eine Erlösung, an bloss zweispurigen Strassen entlang flanieren zu können, über die sich hohe Platanen wölben. Diese waren einst per Schiff aus Frankreich importiert worden und wirken für uns Pariser urfranzösisch:

    Diese Bauten mögen keine architektonischen Meisterwerke sein, sie wirken allemal ansprechender als die betongrauen Greuel, die seit 1949 aus dem Boden gestampft wurden. Und verleihen dem Quartier ein freundliches, weltoffenes Gesicht. Mit Adjektiven wie diesen liesse sich auch der Service in den Restaurants vor Ort charakterisieren. Und zwar auch und gerade in Lokalen für die Lokalen etwa den Gaststätten Bao Luo und Gu Yi in der Fumin Lu unweit unseres Hotels. Wir werden dort nicht nur mit Köstlichkeiten wie Venusmuscheln im Eier Flan, Froschschenkeln im feurigen Piment Sud oder weissen, unten knusprigen Brotteig Knödeln mit Hackfleisch Füllung ugg boots classic tall chestnut 70% off verwöhnt. Sondern auch mit einem Service, der im Gegensatz zur dumpfen Neandertaler Wurstigkeit der Pekinger von dem spürbaren, zum Teil schon fast rührend eifrigen Bestreben zeugt, es den Gästen recht zu machen.

    Am Tag unserer Abreise frühstücken wir mit dem Direktor des PuLi, Martijn Van der Valk, und mit der Marketing und Pressechefin des ugg boots bailey button women Hotels, Farrel Yi. Während ein beflissener junger Chinese namens Silver frisch gepressten Apfelsaft und Eggs Benedict aufträgt, befrage ich die beiden zum Entwicklungsstand der Dienstleistungen in Chinas Hotellerie. Martijn der Wert darauf legt, mit seinem Vornamen angeredet zu werden, vielleicht auch deshalb, weil schon viele Westler Schwierigkeiten haben, Van der Valk auszusprechen, von Asiaten ganz zu schweigen , Martijn also bestätigt, dass der Service in Schanghai besser sei als in der Hauptstadt. Man spürt da einfach die anderthalb Jahrhunderte ununterbrochenen Kontakt mit Ausländern. Doch seien die chinesischen Hotelfachschulen ganz allgemein noch nicht so weit, einheimische Direktoren für Hotels der obersten Kategorie hervorzubringen. Im PuLi ist der General Manager ein Niederländer, das Gros des Managements dagegen setzt sich bereits aus Asiaten zusammen: Chinesen vom Festland und Expats Farrel Yi etwa ist Taiwanerin. hnlich verhält es sich in allen Hotels der gleichen Kategorie in Schanghai. Neben dem Savoir faire bringe ein ausländischer Hoteldirektor auch Prestige.

    Chinesen, führt Martijn aus, hätten nicht nur andere Erwartungen als Westler an ein Hotel. So beträfen ihre Internet Kommentare über das PuLi ausschliesslich das Essen im hauseigenen Restaurant, dem Jing der Rest werde mit keiner Silbe erwähnt. Für die Einwohner des Reichs der Mitte sei es auch das höchste Lebensziel, möglichst viel Geld zu verdienen und zu diesem Zweck ihr eigenes Unternehmen zu gründen. In einer fremden Firma Karriere zu machen, und erst recht im Dienstleistungssektor, erscheine dagegen als weitaus weniger erstrebenswert. Entsprechend schwierig sei es, qualifiziertes Personal zu rekrutieren wobei Martijn unterstreicht, dass er in Provinzen wie Anhui und Hubei sowie dem Nordosten (Dongbei) ungemein motivierte, weltoffene Mitarbeiter gefunden habe. Diese wähle er vorzugsweise jung, um ihnen dann selbst den gewünschten Schliff zu verpassen und stets nach einem persönlichen, informellen Gespräch, bei dem er vor allem ihre Motivation einzuschätzen trachte, ihren Einsatzwillen und ihre Kommunikationsfähigkeit. Diese Eigenschaften seien essenziell für das schnelle Umstellen zwischen chinesischsprachigen Besuchern (die heute etwa die Hälfte der Gäste des PuLi bildeten) und solchen aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, den USA PuLi verkörpert für mich das Beste von Schanghai: eine sehr spezifische Mischung von Ost und West. Einzigartig ist es schon dadurch, dass es bis jetzt das einzige Hotel einer Hotelkette bildet, wie Martijn es etwas paradox formuliert. Farrel Yi erklärt mir später, dass hinter dem PuLi die von zwei deutschen, einem schottischen und einem taiwanischen Hotelier gegründete Hongkonger Gruppe Urban Resort Concepts steht. Diese wird nächstes Jahr in Shaoxing ein PuSen und in Wuhan ein PuYu eröffnen. Geplant sind noch fünf weitere Pu Ableger in chinesischen Städten, darunter Peking. Der Geist soll überall der gleiche sein, die architektonische Umsetzung jedoch sehr unterschiedlich, so dass man schwerlich von der blossen bertragung des PuLi Konzepts auf Filialen sprechen kann. In Shaoxing etwa werden die Gäste fünfzig restaurierte Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert bewohnen; in Hangzhou ist eine Zusammenarbeit mit dem Architekten David Chipperfield geplant ich mit jeder der drei chinesischen Weltstädte eine einzige Erinnerung verbinden müsste, dann wäre es für Hongkong die (für uns Wahlfranzosen) rührende Erzählung von Vicko Hung, Servierer in dem klassisch köstlichen Zwei Sterne Restaurant T Court, der im Rahmen eines Fortbildungskurses zum Thema Wein jeden Abend die französische Landkarte studiert. Für Peking wäre es der süsslich ranzige Gestank der Aberdutzende von Ständen des Nachtmarkts an der Dong Dajie. Dass hier Schlangen, Skorpione und Seidenraupen an Spiessen ausgebacken werden, stört mich nicht weiter. Aber die Ausdünstungen des Frittieröls, das da wohl seit den Zeiten des Kaisers Qianlong vor sich hin blubbert und seinen zuckrig aasigen Odem durchs ganze Quartier haucht, werden mich womöglich bis zu meinem letzten Atemzug verfolgen Für Schanghai schliesslich wäre es der spätnachmittägliche Tee, den ich, während meine Schwester im Schwimmbad ihren imaginär

    Posted 10 years ago #

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